CIRCUS ALEX SIJM, SHOW EN CREW 2017

Die eigenen Grenzen kennen

03.03.2022
1/2022
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Natürlich braucht man Vertrauen, um sich an die Zielscheibe des Partners oder der Partnerin zu stellen. Vertrauen in den anderen, aber auch Vertrauen in sich selbst. Die Sicherheit, zu wissen, dass man dem Druck stand- und den Kopf ruhig hält. Wir wissen, was wir tun, wir kennen unsere Grenzen. Für uns ist aufgrund der jahrelangen Übung absolut klar, wo das Können aufhört und das Risiko anfängt. 

Wir sind zusammen und mit den Proben aufgewachsen: Ich kenne die Fähigkeiten meines Partners, ich habe absolutes Vertrauen zu ihm. Wir haben uns kennengelernt, als ich vierzehn und er sechzehn war, und drei Jahre später waren wir nicht nur beruflich ein Paar. Seither sind 23 Jahre vergangen; «Vertrauen» vermag als Begriff nicht zu beschreiben, was zwischen uns besteht.  

Abgesehen davon – vertrauen muss man in unserem Geschäft allen. Dem Partner, aber auch der Ausrüstung, den Technikern, die mit uns und für uns arbeiten und sowohl Bühnenassistenz als auch Tontechnik und Beleuchtung betreuen: Hier muss alles perfekt synchronisiert sein und wie am Schnürchen laufen. Fehler darf es nicht geben.  

Auch in der Rolle der «Zielscheibe» trägt man zu dieser Perfektion bei: Ich will meinen Partner nicht mit Bewegung ablenken. Er muss sich auf seine Aufgabe konzentrieren: Wenn er ein Messer wirft, hat er keine Zeit, gedanklich abzuschweifen. Er konzentriert sich auf den Griff des Messers, die Kraft der Drehung, die er ihm geben muss, damit es genau dorthin fliegt, wo er (und ich!) es haben will. 

Wir sprechen nicht darüber, was geschehen würde, wenn etwas passieren würde – nicht nur, weil es unter Artisten tabu ist. Es ist vor allem gar nicht nötig. 

Priscilla Errani und Marco Moressa
Armbrustschützin und Messerwerfer/Armbrustschütze, als Duo «Double Risk» unterwegs mit dem Zirkus Knie 2021