Engagement aus Leidenschaft

12.09.2022
3/2021

Freiwilligenarbeit ist ein Wirtschaftsfaktor, Zeichen eines funktionierenden Sozialwesens und wohl nicht zuletzt einer kulturellen Identität. Mit der trendigen Sharing-Economy wird auch die Freiwilligenarbeit zu einem Lifestylethema. Auf der Plattform benevol-jobs.ch des Vereins benevol Schweiz finden alle ein passendes Angebot.

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Die Zielgrösse sind maximal sechs Stunden pro Woche im Jahresdurchschnitt: Mehr Freiwilligenarbeit sollte nur leisten, wer es ganz bewusst tut, die nötige Zeit und Freiheit dafür hat und sicher ist, dass es so nicht zu Abnutzungserscheinungen kommt.

Das rät der Verein benevol Schweiz, die Dachorganisation der Freiwilligenarbeit der Schweiz, die auf ihrer Onlineplattform benevol-jobs.ch eine Vielzahl an Möglichkeiten für den freiwilligen Einsatz anbietet. Sie stammen von den Mitgliederorganisationen aus allen Landesteilen und allen Bereichen menschlicher Aktivität; sie können nach geografischen Kriterien, zeitlicher Art des Einsatzes (regelmässig oder einmalig) oder nach Themen gefiltert werden. So kann man sich beispielsweise als Helfer*in für ein Basler Fussballteam von Menschen mit Beeinträchtigung betätigen, die Buchhaltung für die Romanshorner Zauberlaterne übernehmen oder im November an einem Tag beim Bewerbungstraining für Jugendliche in Zürich als Mentor*in aushelfen.

Natürlich bilden die rund 1200 Einsätze auf benevol-jobs.ch nur einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten ab, die es in der Schweiz gibt, sich aus persönlichen Gründen zu engagieren. Vornehmlich sind bei benevol grössere Vereine und Organisationen aus den Bereichen Soziales und Kultur zusammengeschlossen. Dabei steht der Verein mit der Plattform sämtlichen Organisationen offen, die mit ihren Angeboten die Anforderungen an die Freiwilligenarbeit die Standards von benevol erfüllen. Diese reichen von einer klaren Abmachung über Spesenentschädigungen bis zur Versicherung in Haftungsfragen und schliesslich zu einem Nachweis für die freiwillig Engagierten über die geleisteten Dienste.

Das umfangreiche Informationsangebot von benevol Schweiz richtet sich vor allem an Anbieter von Aufgaben, aber auch für die Freiwilligen selbst gibt es einige wichtige Hinweise.

  • Bevor Sie ein Engagement ins Auge fassen, informieren Sie sich genau über die Aufgaben und die Arbeit, die auf Sie wartet. Es ist niemandem gedient, wenn Sie nach einiger Zeit feststellen, dass sie sich mit dem Job nicht anfreunden können und sich nicht wohlfühlen.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie die Zeit und die Verfügbarkeit auch wirklich bieten können, die von Ihnen erwartet werden, und seien Sie pünktlich und sorgfältig: Obwohl Ihre Arbeit unentgeltlich ist, verlassen sich Menschen auf Sie.
  • Sprechen Sie umgekehrt Ihre Erwartungen an die Aufgabe und die Organisation offen und transparent an, damit man auf Sie eingehen und für beide Seiten optimale Lösungen finden kann.
  • Seien Sie sich bewusst, dass Sie Ihr Engagement nicht zur Unzeit, also zum Beispiel mitten in einem Einsatz, beenden können.

Auf der Website von benevol Schweiz finden sich darüber hinaus ein Merkblatt für die Freiwilligenarbeit als Vorgesetzter von bezahltem Personal und eines über die Arbeit für und mit Geflüchteten: Zwei Bereiche, die besonderes Fingerspitzengefühl voraussetzen.

Über die Plattform hinaus ist in der Schweiz eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten vorhanden, wie man sich sinnvoll engagieren kann. Zunächst ist in diesem Bereich das umfangreiche Vereinswesen zu erwähnen, das in den Gemeinden vom Schützen-, Musik- und Turnverein über die Verschönerungsvereine bis zur freiwilligen Feuerwehr reicht. Ferner sind Interessengruppen wie Dampflok-Enthusiasten praktisch an jeder historischen Bahnstrecke, Segelfluggruppen um jeden Flugplatz und historisch Interessierte an jeder Burgruine zu finden: Volle 40 Prozent der über 15-jährigen Menschen in der Schweiz gaben 2020 an, im Schnitt rund vier Stunden wöchentlich freiwillig für eine Sache zu arbeiten, die ihnen wichtig ist.

Interessant ist dabei, dass Frauen stärker als Männer in der informellen Freiwilligenarbeit engagiert sind, nämlich zu fast 36 Prozent, und nur zu 13 Prozent in Projekten und Vereinen. Auch die Männer engagieren sich zwar mehrheitlich im Rahmen der informellen Freiwilligenarbeit (29 Prozent), aber mit über 18 Prozent setzen sie sich in den institutionalisierten Freiwilligenarbeitsbereichen ein.

Diese Zahlen stammen vom Bundesamt für Statistik; ein weit differenzierteres Bild gibt der «Freiwilligen-Monitor Schweiz 2020» der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG. Er zeigt, dass sich die Männer zum allergrössten Teil (19 Prozent) im sportlichen Bereich engagieren und gleich danach bei «Spiel-, Hobby und Freizeitvereinen» (9,9 Prozent). Bei den Frauen steht an erster Stelle der Einsatz für kirchliche Organisationen (9,7 Prozent) und gleich danach der für soziale und karitative Zwecke (9,2 Prozent). Politische oder gemeinnützige Ämter liegen übrigens bei den Männern erst auf dem 8. und bei den Frauen auf dem 9. Rang.

«Wer sich formell freiwillig engagiert, will mit anderen Menschen etwas unternehmen und bewegen, ihnen helfen, sich dabei weiterentwickeln und seine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern sowie Spass haben», konstatiert der «Monitor». «Spass haben» ist denn auch der weitaus wichtigste Grund für ein Engagement, und daran ist nichts Verwerfliches.

Aber Spass macht es ja auch, etwas Neues zu lernen.