Für die Kinder, die ich möchte 

05.12.2022
4/2022
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Im April dieses Jahres klebte ich während einer Aktion von Renovate Switzerland meine Hand auf den Asphalt der Mont-Blanc-Brücke in Genf. Warum? Ganz einfach, weil ich gerne Kinder haben möchte. Und es gibt keine grössere Verantwortung für eine werdende Mutter, als sich um die Welt zu sorgen, in der ihre Kinder leben werden.

Sich um die Zukunft zu sorgen, sollte eine Eigenschaft all derer sein, die Verantwortung für andere Menschen tragen, egal ob es sich um eine Mutter, ein Staatsoberhaupt, einen Unternehmer, eine Lehrerin oder einen Industriellen handelt.

Für mich liefern die Berichte der Wissenschaftler über den Klimawandel genügend Informationen über die aktuelle Notlage, um die Konsequenzen für mein Leben zu sehen: Ziviler Widerstand ist die einzige Option, die mir bleibt, um zu verhindern, dass meine Kinder die Hölle auf Erden erleben.

Ich fordere jeden Leser des LEADER-Magazins auf, diese Option in Betracht zu ziehen. Ich weiss, dass es anspruchsvoll ist, sich vorzustellen, Risiken eingehen zu müssen, seine Zeit, seine Karriere und vielleicht seine Freiheit zu opfern. In den zivilen Widerstand zu gehen, erfordert Mut, denn es ist eine Entscheidung, vom Weg der Normalität abzuweichen. Aber ein Umstand daran macht mich glücklich: Das Gefühl, zu tun, was richtig ist.

In der Geschichte hat sich der gewaltfreie Widerstand Hunderte Male bewährt, um im Namen des Gemeinwohls einen schnellen Wandel herbeizuführen. Dabei stösst ziviler Ungehorsam oft auf Ablehnung, weil die Menschen nicht denken, dass ein kleineres Übel zu akzeptieren ist, um damit ein unendlich grösseres Übel zu verhindern. Dennoch müssen wir diese Option in Betracht ziehen, bevor es zu spät ist.

Angesichts der harten Realität habe ich beschlossen, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um den Kurs unserer Gesellschaft zu ändern und den Kindern, die ich gerne haben möchte, eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Ich mache mir keine Illusionen, dass die Zukunft hart und von Verzicht geprägt sein wird. Aber ich habe die Hoffnung, dass mein Handeln andere dazu inspiriert, für die Menschen zu kämpfen, die sie lieben.

Cécile Bessire
Organisatorin der Kampagne Renovate Switzerland