Inspiration ⇨ Mitarbeiter sollen «gedeihen», nicht nur engagiert sein

12.09.2022
3/2021

Der Softwarekonzern Microsoft erfasst neu, ob die Mitarbeitenden «gedeihen»: Das heisst, ob sie aus ihrer Arbeit insgesamt Energie gewinnen – und welche Faktoren dafür verantwortlich sind.

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Mitarbeitende können sich mit dem Unternehmen identifizieren und Engagement zeigen, aber trotzdem nicht zufrieden sein: Die Loyalität zum Arbeitgeber allein ist kein ausreichendes Mass für die Qualität der Beziehung zwischen der Arbeit und dem Menschen, der sie ausführt. Dieser Ansicht ist man unter anderem beim Softwaregiganten Microsoft.

Der Konzern hat deswegen die jährliche Erfassung des Engagements der Belegschaft ausgeweitet auf eine halbjährliche Erhebung, die das «Gedeihen» («thriving») der Mitarbeitenden messen soll. Zur Basis für die Erhebung zählen die fünf Ps: «pay, perks, people, pride and purpose», also Bezahlung, Belohnung, Menschen, Stolz und Zweck. Die Definition, ob eine angestellte Person findet, sie könne «gedeihen», bedeutet demnach, dass sie angibt, von der Arbeit motiviert zu werden und sich ermächtigt fühlt, eine sinnvolle Arbeit zu erledigen – «to be energized and empowered to do meaningful work», schreiben zwei Fachfrauen der HR-Abteilung des Konzerns in der «Harvard Business Review».

Der Wandel soll nicht nur über die Zäsur der Pandemie hinwegführen, sondern auf der anderen Seite mit besseren Resultaten herauskommen. Unter anderem hat das Team mit dem neuen Ansatz Folgendes herausgefunden:

Kultur spielt eine grosse Rolle: Alle Befragten nennen sie, die Motivierten betonen, dass sie eingebunden seien in ein gesundes System; die, welche weniger «gedeihen», geben an, von Bürokratie und Silodenken behindert zu werden. 

«Gedeihen» braucht Gemeinschaft: Der Respekt und die Unterstützung der direkten Vorgesetzten und des Managements sind wesentlich und werden von den Mitarbeitenden gewürdigt oder bemängelt.

Work-Life-Balance ist nicht gleich «gedeihen»: Eine Balance zwischen privatem Leben und Arbeit ist wichtig, aber das Gefühl des «Gedeihens» beruht auf mehr als nur ausreichend Freizeit. Microsofts Detailanalyse ergab, dass «thriving»-Mitarbeitende insgesamt weniger Arbeitsstunden, aber mehr Fokus und kleinere Netzwerke am Arbeitsplatz haben.  

Namentlich der letzte Punkt, analysiert durch eine Synthese von Umfrageresultaten mit anonymisierten Terminkalenderdaten und E-Mail-Metadaten, bestärke die frühere Forschung betreffend Work-Life-Balance und Netzwerk, wonach eine Steigerung der Gruppenarbeit negative Auswirkung auf das Empfinden von Work-Life-Balance der Mitarbeitenden habe. Es bestätige aber auch, dass Kollaboration nicht grundsätzlich negativ sei und das Gefühl, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, motivierend wirke – aber es sei bedeutend, darauf zu achten, wie stark dies die Work-Life-Balance beeinflussen könne: Deswegen dürfe die Intensität der Kollaborationsphasen nicht zum Alltag gemacht werden. 

«Why Microsoft Measures Employee Thriving, Not Engagement» «Harvard Business Review», Juni 2022