Langsam wachsen mit gesellschaftlicher Wirkung

03.03.2022
1/2022

Warum Vertrauen in Gesellschaften zentral und auch ein urökonomisches Anliegen ist, zeigt nicht erst die Pandemie auf. Vertrauen ist auch ein effizientes Mittel, um Transaktionskosten in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen zu senken. Social Entrepreneurship stellt diese Belange in den Mittelpunkt.

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Rafael Widmer
Communications Lead
SENS

 

Vertrauen setzt Transparenz voraus. Ist in der Gesamtgesellschaft vor allem die Transparenz von staatlichen Akteuren gemeint, so ist für Teile der Unternehmenswelt die Transparenz und damit auch das Vertrauen ein zentraler Aspekt der eigenen Unternehmensidentität – unter anderen für die Social Entrepreneurs. Mit ihrem unternehmerischen Handeln zielen sie darauf ab, die Ursachen von gesellschaftlichen Problemen anzugehen. Dabei steht die positive gesellschaftliche Wirkung immer im Zentrum, der finanzielle Profit wird dabei nur als Mittel zum Zweck gesehen.

Neben dieser Wirkungsorientierung ist für dieses Unternehmensverständnis vor allem die inklusive Governance von Social Enterprises zentral: Damit ist gemeint, dass verschiedene Stakeholder wie die Mitarbeitenden  Mitsprachemöglichkeiten haben.

Transparenz spielt in dieser Governance-Struktur eine wichtige Rolle. Ein gelebter transparenter Umgang sowie eine offene Kommunikation innerhalb des Unternehmens zu Themen wie Gehältern, Einstellungen oder Kündigungen führen zu gestärktem Vertrauen und Motivation der Belegschaft.

Häufig widerspiegeln sich diese gelebten Werte innerhalb von Social Enterprises auch in der Unternehmensstruktur, die auf Partizipation beruht und soziokratisch oder holokratisch umgesetzt werden kann. Auch die Rechtsform der Genossenschaft wird häufig von Social Enterprises gewählt.

So wie der Aufbau von Vertrauen langfristig geschieht, sind Social Enterprises auch allgemein mit einer langfristigen Perspektive unterwegs und wachsen tendenziell langsam: Das Ziel ist nicht die Maximierung von Umsatz- und Gewinnzahlen, sondern der gesellschaftlichen Wirkung. Wachstum und Expansion finden häufig über Modelle wie Social Franchising statt, wie es in der Schweiz beispielsweise der Materialmarkt OFFCUT tut.

Die meisten Social Enterprises sind stark lokal oder regional verwurzelt. Lokal tätige und partizipative Unternehmen haben in Krisensituationen entscheidende Vorteile wie die langfristige Kundentreue sowie die Identitätsstiftung mit dem Unternehmen. 

Die Corona-Pandemie wird nicht unsere letzte gesellschaftliche Herausforderung sein: Chancenungleichheit, Inklusion, Klimakrise, Migration, demografischer Wandel oder die zunehmende gesellschaftliche Spaltung kommen auf uns zu.

Um sie zu bewältigen, braucht es neben staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren auch Social Entrepreneurs, die dank ihrem unternehmerischen Element mit einem innovativen Geschäftsmodell innert kurzer Zeit wirkungsvolle Beiträge für gesellschaftliche Herausforderungen leisten können.

Dabei verknüpfen Social Entrepreneurs oft soziale mit technischer Innovation. So können beispielsweise Verhaltensänderungen von Konsument:innen angestossen werden, was zu einer Reduktion von Verpackungsabfall und Food Waste führt.

SENS – wirkungsorientierte Unternehmen

Als nationale Plattform für Social Entrepreneurship vertritt und fördert SENS die wirkungsorientierten Unternehmen in der Schweiz, verbindet sie branchenübergreifend untereinander und mit dem europäischen Umfeld. sens-suisse.ch