Warum soll es nach Plan laufen…?

19.06.2022
2/2022

Wenn Teams zusammenbleiben, sich positiv entwickeln und vielleicht sogar (über sich selbst hinaus-) wachsen, spielen viele Faktoren eine Rolle. Wenn Teams hingegen zerbrechen, ist ein wesentlicher Grund fast immer im Spiel: ungelöste Konflikte. Und weil Menschen sehr verschiedene Arten haben, mit Konflikten umzugehen, braucht es im Team einen bewussten gemeinsamen Umgangsstil.

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Konflikte lassen sich in Unternehmen nicht vermeiden: Rund um Zielsetzungen, Entscheidungen, Verantwortlichkeiten oder Vorgehensweisen sowie aus der täglichen Kommunikation resultieren ständig Situationen, die Teammitglieder unterschiedlich einschätzen. Diese Vielfalt an Perspektiven kann lösungsorientiertes Verhalten fördern – oder hemmen. Ideal ist eine Unternehmens- und Führungskultur, in der Konflikte angesprochen und gelöst werden.

Ich werde oft gefragt: «Was kann ich tun, wenn mein Arbeitgeber zu wenig Wert auf eine gemeinsame Führungskultur legt?» Nun, die eben angesprochene Kultur (man könnte auch sagen: diese gemeinsame Atmosphäre der Zusammenarbeit) sollte auf Stufe Unternehmensführung gesteuert werden – das hat sie wegen ihrer grossen Bedeutung verdient.

Einzelne Führungskräfte oder Firmenbereiche können dies jedoch auch «auf eigene Faust» anpacken. Zwar werden sie auf strukturelle Grenzen stossen, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Teams, die durch die Art und Weise ihrer Kommunikation «hinterherhinken». Trotzdem ist es wichtig, voranzugehen, eine Vorreiterrolle zu übernehmen – und es motiviert die eigenen Teammitglieder.

Menschen sind vor allem eins …

Die folgende Fragestellung ist ebenso relevant: Wie gehen wir Menschen mit Konflikten um? Menschen sind vor allem eins: sehr unterschiedlich. Während die einen Konflikten aus dem Weg gehen, weil sie Konfrontationen meiden, sticheln andere munter und unbeschwert, giessen sprichwörtlich Öl ins Feuer, ohne dass es ihnen selbst stets bewusst ist. Die nächsten nehmen Konflikte so ernst, dass sie sich so lange aufs Ansprechen vorbereiten, bis es zu spät ist – andere verzichten auf jede Vorbereitung und sprechen im gleichen Stil darüber, wie wenn sie über die Fussballergebnisse vom Wochenende plaudern.

Treffen diese Stile aufeinander, fällt das Hinterfragen von Konflikten nicht ganz leicht. Drum braucht es Ausbildung und Spielregeln, die einen gemeinschaftlichen Umgang mit Konflikten erleichtern. Unterschiedliche Kommunikationsstile müssen das Lösen von Konflikten in Teams also keineswegs verhindern.

Vom Know-how zum Do-how

Gehen Sie ruhig, entschlossen und kontinuierlich vor, um die Konfliktfähigkeit Ihres Teams zu stärken. Konfliktfähig sein bedeutet im Alltag eines Teams, dass gemeinsame Reflexion stattfindet. Sie haben richtig gelesen: im Alltag. Es ist zu wenig, sich nur nach Zwischenfällen Zeit für Aussprachen zu nehmen.

Stellen Sie sicher, dass in Ihren Teams über Kommunikation und Kultur gesprochen wird. Was versteht es unter Führungsstil und unter Führungskultur? Welche Spielregeln tun allen gut, weil sie die Zusammenarbeit erleichtern?

Schaffen Sie attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten, um sich mit dem Thema zu beschäftigen. Je normaler es wird, über Konflikte zu sprechen, desto weniger werden Emotionen hochkochen oder ausser Kontrolle geraten.

Stärken Sie Ihr Team als Team. Fördern Sie den informellen Austausch, und fragen Sie sich: Was wissen Ihre Teammitglieder voneinander? Wer fühlt sich erfolgreich, wer nicht?

Etablieren Sie drei Kernfragen, die Sie in belasteten Situationen stets stellen, etwa: 1) Wer ist beteiligt, und was ist genau passiert? 2) Was wurde unternommen, um die Situation zu lösen? 3) Welche Vorschläge gibt es, was ist den Beteiligten wichtig?

Nehmen Sie das Thema «Konflikte erkennen und lösen» gelegentlich auf die Agenda Ihrer Teammeetings. Der gemeinsame Rückblick sorgt für Verständnis und Gelassenheit.

Fördern können Sie dies auch, wenn Sie Debriefings («After Action Reviews») durchführen. Nehmen Sie diese ernst, sprechen Sie nicht nur Fakten, sondern auch den Weg an, den Sie in Projekten erlebt haben.

Führen Sie als Führungskraft also nicht nur dann, wenn es gar nicht anders geht. Eine zu sehr transaktionale Auffassung von Führung reicht, «um den Laden am Laufen zu behalten» und fürs Steuern von Prozessen. Sie reicht aber nicht, um eine besondere Kultur der Kommunikation zu entwickeln. Eine solche ist jedoch wichtig, um Konflikte zu lösen, und davon profitieren dann Sie, Ihr Team und Ihre Kunden.

Jörg Neumann
Der Empowerment-Spezialist Jörg Neumann ist Unternehmer, Autor und Geschäftsführer von NeumannZanetti & Partner, dem Schweizer Kompetenzzentrum für Führungskultur, für Servicequalität und für den Auf- und Ausbau von Kundenbeziehungen. Folgen Sie ihm auf: